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15.02.2019

„Literatur im Bahnhof“ in der Bennigser RvB-Bibliothek

Die meister der rund 35 Zuhörer*innen (um bei der offiziellen Hannoverschen Schreibweise zu bleiben) waren in den Bennigser Bahnhof zur Literaturlesung über Leben und Werk Wolfgang Borcherts gekommen, weil sie noch eigene Erinnerungen an die Zeit haben, in der Borcherts Geschichten spielen, und/oder dies ein Schriftsteller ist, dessen Werke sie in der eigenen Schulzeit kennengelernt hatten. Wie eine der Zuhörerinnen dem Referenten Karlfried Rose in der Pause berichtete, endete der Geschichtsunterricht zu ihrer Zeit und in ihrer Klasse mit der Weimarer Republik. Die Gräuel des 2. Weltkrieges und der Nachkriegsjahre wurden ihr lediglich im Deutschunterricht durch die Werke Wolfgang Borcherts nahegebracht. Und sie wird nicht die einzige gewesen sein, der es in den 50er und Anfang der 60er Jahren so erging.

Es war keine einfache Kost, die Rose seinen Zuhörenden zumutete. Das Schicksal Borcherts, der gerade einmal 26 ½ Jahre alt wurde, sein Schauspiel „Draußen vor der Tür“ sowie seine Kurzgeschichten, die von 1945 bis 1947 entstanden, machen betroffen und nachdenklich und sind bar jeder Komik. Rose verband den Lebensweg Wolfgang Borcherts mit den Werken, die in jenen Jahren entstanden waren bzw. über diese Jahre berichten. Ihm gelang es, durch seine ruhige, aber dennoch zupackende Sprache und den fundiert erarbeiteten Vortrag die Anwesenden zu fesseln und durfte sich in der Pause und nach Ende des Vortrags über einen freigiebigen Applaus und auch viele Gespräche und manches aufrichtige Lob freuen.

[Text + Foto: Gabriele Rose]